„Du kennst die Lösung, Du weisst es nur noch nicht“

– Milton Erickson

Hypnose bei Angst und Phobie

In Deutschland leiden ca. 15 % der Bevölkerung im Laufe Ihres Lebens unter einer klinisch relevanten Angststörung (Bundesgesundheitssurvey). Generell treten Angststörungen bei Frauen etwa doppelt so häufig wie bei Männern auf. Sie gehören zu den häufigsten psychischen Störungen überhaupt. Sie verläuft meist chronisch, d.h. nimmt im Laufe der Jahre zu. Viele Angsterkrankungen ( insb.soziale Phobien) beginnen bereits im Kindes- oder Jugendalter. Betroffene Menschen wissen oft die Symptome nicht richtig einzuorden. Sie schämen sich für Ihre Ängste, geben sich selbst die Schuld für die Symptome, ziehen sich von anderen Menschen zurück und werden depressiv. Oft vergehen leidvolle Jahre, bis die Angststörung als solche erkannt und dann behandelt werden kann.

Angst - ein natürliches Gefühl

Angst ist zunächst ein tiefst menschliches Gefühl, es hilft uns Gefahren zu erkennen und kann lebensrettend sein. Sie kann uns nötige Energien verschaffen, um uns zu schützen oder entschlossen zu handeln. So mussten schon unsere Vorfahren auf eine Gefahr (z.B. Angriff von einem Mammut oder Naturgewalten) entweder mit Angriff oder Flucht reagieren, der Körper reagierte auf das Gefühl mit entsprechenden Veränderungen, wie z.B. Herzschlag, Ausschüttung von Stresshormonen, Anspannung von Muskeln,  um  der Gefahr bestmöglichst gegenüber zu stehen. War die gefahrvolle Situation überstanden, entspannte sich auch der Körper wieder.

Nun sind wir auch heute einer Vielzahl von Situationen ausgeliefert, die Ängste auslösen können: Angst vor Arbeitsplatzverlust, Angst, geliebte Menschen zu verlieren, Prüfungsängste, Flugangst, ein anstehender Zahnarzttermin usw.

Nicht jede dieser Situationen ist eine wirkliche Bedrohung und Menschen können sehr unterschiedlich reagieren, manche fühlen sich nur unwohl, andere fühlen sich massiv der Angst (und den damit verbundenen körperlichen Symptomen) ausgesetzt und brauchen Beruhigungsmittel oder versuchen, der Situation komplett aus dem Weg zu gehen.

Wann wird nun Angst krankhaft bzw. wann sprechen wir von Angststörung?

Eine Angststörung oder krankhafte Angst liegt dann vor, wenn die Angst durch eine eigentlich ungefährliche Situation ausgelöst wird und der Betroffene durch die Angst erheblich psychisch und körperlich belastet ist, d.h. die Angst ist mit ausgeprägten körperlichen Symptomen verbunden und/oder führt zu starken Einschränkungen in verschiedenen Lebensbereichen.

Gemäß der ICD (international classification of diseases) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) unterscheidet man:

Spezifische (einfache) Phobien(Angst vor bestimmten Dingen oder Situationen, z.B. Zahnarztphobie, Platzangst, Spinnenangst, Flugangst)

Soziale Phobie (Angst von anderen beobachtet oder negativ bewertet zu werden, was sich z.B. in Vermeidungsverhalten und Selbstunsicherheit äußern kann, der Betroffene ist durch die Symptome massiv beeinträchtigt. Hierzu zählen im weiteren Sinne auch z.B. die Angst vor öffentlichen Reden oder die Angst vor Erröten)

Agoraphobie( Angst, das Haus zu verlassen, In Menschenmengen oder auf öffentlichen Plätzen zu sein.

Panikstörungen(Angstanfälle, die ohne auslösende Situation plötzlich ‚wie aus heiterem Himmel‘ auftreten. Sie sind gekennzeichnet duch vegetative Symptome wie Herzrasen, Schweissausbrüche, Übelkeit und psychische Symptome wie Benommenheit, Todesangst etc.)

Generalisierte Angststörung(eine anhaltende Angst, die sich nicht auf bestimmte Situationen oder Objekte bezieht und über einen längeren Zeitraum besteht. Betroffene leiden darüber hinaus unter verschiedenen körperlichen Symptomen wie Zittern, Schwindel, Herzklopfen, Magen-Darm-, häufig auch Schlafstörungen, Nervosität und depressiver Verstimmung.)

Für die Diagnostik einer Angststörung ist zunächst eine umfassende ärztliche Untersuchungwichtig, um körperliche Ursachen (Stoffwechselerkrankungen, Nebenwirkungen von Medikamenten, Herzerkrankungen etc.) ausschliessen zu können. Liegen körperliche Ursachen vor, so müssen diese zunächst behandelt werden, häufig verschwinden dann auch die Angstsymptome.

Wie kann Hypnose helfen?

Sind körperliche Ursachen für die Angststörung ausgeschlossen, können psychotherapeutische Maßnahmen zum Einsatz kommen. I.d.R. wird eine kognitive Verhaltenstherapie empfohlen.   Sollte diese nicht zum Erfolg führen oder auch seitens des Patienten nicht gewünscht sein, können auch andere Therapien zum Einsatz kommen. So hat sich Hypnose bei Angststörungen als eine hocheffiziente Behandlungsformerwiesen, die wissenschaftlich belegt ist.

Die Entspannungs- oder Selbsthypnose kann zur Linderung von Angstsymptomen zum Einsatz kommen, um das Nervensystem zu beruhigen und somit die Symptome von Stress, die im Körper auftreten, zu verringern.

Mittels Hypnotherapie lassen sich auch mögliche Hintergründe einer Angst klären. Dies basiert auf der Annahme, dass eine Angst i.d.R. nicht grundlos oder zufällig entsteht, sondern meist auf einer problematischen oder unverarbeiteten Erfahrung beruht. Mit Hilfe der Hypnose als Möglichkeit, Zugang zu mehr unbewussten Erinnerungen ermöglichen,  kann die Ursache aufgedeckt und nachfolgend aufgelöst werden, um so einen angstfreien Zustand zu erreichen. Mit Hypnose kann dann auch zukunftsgerichtet gearbeitet werden, um vermutete angstbesetzte Situationen durch positiv besetzte Erfahrungen zu ersetzen.

Auch die Behandlung mit EMDRkann bei Ängsten eingesetzt werden.

Für die Bearbeitung von Ängsten mittels Hypnose werden oft mehrere Sitzungen benötigt – nicht überraschend, wenn man bedenkt, dass die Angst oft schon viele Jahre besteht. Nachwievor ist Hypnose allerdings ein Verfahren, das i.d.R. deutlich weniger Sitzungen als beispielsweise eine alleinige Verhaltens- oder Gesprächstherapie benötigt.